Der Guide MICHELIN aktuell

Guide MICHELIN zeichnet Wohlfahrt-Schüler aus und ehrt erstmals Bib Gourmand-Restaurant

Die Hauptstadt hat sich fein gemacht und ist in Feierlaune. 25 Jahre nach dem Mauerfall stehen den Berlinern am Wochenende 25 Stunden Party bevor. Im kleinen Kreis gab es aber schon heute allen Grund, die Korken knallen zu lassen:

Gruppenbild mit Sterneköchen © Bernd Brundert / Michelin

Der Guide MICHELIN Deutschland 2015 präsentierte mit seiner neuesten Ausgabe 34 neue Sterne und sagenhafte 69 Bib Gourmand. In Anwesenheit zahlreicher, teils gerührter, teils sprachloser, aber ausnahmslos glücklicher Preisträger.

Der Ort der Veranstaltung hätte kaum passender gewählt werden können. Ohne eine Spur von Eleganz oder cleanem Chic, dokumentierte er auf beeindruckende Weise, wie und wo in Deutschland heute gerne gegessen wird: handwerklich gute, bodenständige Küche in moderner, lockerer Atmosphäre. Ein schäbiger Boden, unsanierte Backsteinwände mit längst verrosteten Rohren und Leitungen, die einmal Teil der traditionellen Berliner Bützow-Brauerei waren, geben heute den Rahmen für moderne Kunst, Designermöbel, Chabby Chic und das „la soupe populaire - by Tim Raue". Seit letztem Jahr mit einem Bib Gourmand ausgezeichnet, ist es auch in den Augen von Michael Ellis „die perfekte Location". Der internationale Direktor des Guide MICHELIN kam extra nach Berlin, um die Ausgabe 2015 zu präsentieren. Dieser Ort sei nicht nur „very Berlin", nein, er sei „very german" und „very gastronomy". Ein Sinnbild also. Spätestens in diesem Moment ahnten es vielleicht schon einige der geladenen Journalisten, was Ellis später verkünden würde. Es bleibt bei elf 3-Sterne-Restaurants. Doch auch dass es den derzeit elf deutschen 3-Sterne-Köchen gelungen ist, ihre Positionen zu verteidigen, ist eine großartige Leistung und wurde von Michael Ellis entsprechend gewürdigt. „Es ist ein wirklich hartes Feld, das an der Spitze der Gastronomie bearbeitet werden muss." Außerdem sei und bleibe Deutschland ein „Hot Spot" für Feinschmecker und nach Frankreich das Land mit den meisten 3-Sterne Köchen in Europa.

Große Bühne für Bib Gourmand-Restaurants

Schon seit Jahren betont der Guide MICHELIN die Bedeutung einer Auszeichnung mit dem Bib Gourmand. In diesem Jahr ehrten die Verantwortlichen erstmals auch aus dieser Kategorie Küchenchefs persönlich. Der extrem kurzfristigen Einladung folgen konnten Régis Lamazère und sein Küchenchef Anthony Joynes aus der „Brasserie Lamazère" in Berlin, Felix Leisegang und André Sawahn aus dem „Jungbluth" sowie das spanisch-koreanische Dreamteam Jose Miranda Morito und Bini Lee-Zauner vom „Kochu Karu", ebenfalls aus der Hauptstadt. Lamazère, dessen Vater in Paris mit zwei MICHELIN Sternen ausgezeichnet war, hatte sich den Traum vom eigenen Restaurant erst vor 15 Monaten erfüllt und ist schon allein deshalb „absolut überrascht". Sawahn und Leisegang ging es ähnlich, auch sie sind mit ihrem ersten eigenen Restaurant erst seit Februar 2013 am Start. Zuvor kochten sie gemeinsam in „Frühsammers Restaurant" in Grunewald, eines der 31 Restaurants, das die Inspektoren mit einem neuen Stern ausgezeichnet haben. Küchenchefin Sonja Frühsammer, die insgeheim seit einiger Zeit Hoffnungen hatte, kämpfte während der gesamten Veranstaltung mit Freudentränen.

Wohlfahrt-Schüler weiter auf dem Vormarsch

Ehrengast der Pressekonferenz war Harald Wohlfahrt, nun seit 23 Jahren ununterbrochen mit drei MICHELIN Sternen ausgezeichnet. Zum einen, um seine unglaubliche Konstanz zu würdigen. Aber auch, weil über 70 Sterne der insgesamt 282 ausgezeichneten Restaurants in Deutschland seine Schule durchlaufen haben. Und da Wohlfahrt mit seinen 59 Jahren im Vergleich zum 88-jährigen Paul Bocuse noch „in der Mitte der Karriere" steht, wie er scherzhaft meinte, werden wohl in den nächsten Jahren noch einige hinzukommen. Die Kochlegende freute sich sichtlich über die Auszeichnung der „Wohlfahrt-Guys", wie Michael Ellis die anwesenden, frisch ausgezeichneten Köche nannte: Richard Nussel („Westfälische Stube" in Hörstel), Matthias Maucher („Himmel un Äd" in Köln), Volker Fuhrwerk („Restaurant 1797" in Lütjenburg) und Renato Manzi („Clauss - Feist" in Traben Trabach). Sie tragen ab heute einen MICHELIN Stern auf ihrer Kochjacke. Über den zweiten Stern freute sich Bobby Bräuer vom „EssZimmer" in München, der ein Kommen allerdings kurzfristig nicht einrichten konnte. Dafür aber Paul Stradner, der „aus den besten Restaurants das Beste mitgenommen hat" und so das “Brenners Park-Restaurant" in die nächste Liga gekocht hat. Mit der Auszeichnung des „ammolite - The Lighthouse Restaurant" im Europa-Park Rust konnte Peter Hagen an einem der wohl ungewöhnlichsten Orte für ein Gourmetrestaurant ein weiteres Zeichen setzen. Um diese Ehre entgegenzunehmen, hatte er sogar seinen Urlaub umgebucht. „Mein Chef ist so nett und zahlt das", erzählt er gelöst und noch immer überrascht über seine eigene Dynamik. „Wir haben zwar darauf hingearbeitet, aber so schnell wirklich nicht damit gerechnet."

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